7. August 2026

„Kinder sollen wissen, dass sie Rechte haben“ – Wie das LeseWelten-Projekt Kinder stärkt und für ihre Rechte sensibilisiert 

Kennt ein Kind seine Rechte, kann es selbstbewusst dafür eintreten – genau hier setzt das Kinderrechte-Projekt von LeseWelten an. Seit 2024 entdecken Grundschulkinder in Köln-Kalk durch Geschichten, Gespräche und kreative Aktionen, welche Rechte sie haben und was diese für ihren Alltag bedeuten. Ruben Krupa, Lehrer an der Erzbischöflichen Grundschule am Bildungscampus Köln-Kalk berichtet im Interview, wie das Projekt wirkt, warum Kinderrechte für das Aufwachsen so entscheidend sind und welche Rolle Erwachsene dabei spielen.

Herr Krupa, wer sollte die Kinderrechte kennen und schützen?

Ruben Krupa: Die Kinderrechte sollten grundsätzlich alle Erwachsenen und natürlich die Kinder selbst kennen. Besonders wichtig ist aber, dass Eltern, Verwandte und alle, die im Leben der Kinder eine wichtige Rolle spielen, wie beispielsweise Erziehende, sie kennen und schützen.

Warum ist es so wichtig, dass jede und jeder die Kinderrechte kennt?

Jedes Kind ist eine individuelle Persönlichkeit. Kennt es seine Rechte, kann es selbstbewusst dafür eintreten und sich weiterentwickeln. Dies ist unter anderem die Grundlage für faire Bildungschancen und um zu einem mündigen Mitglied unserer Gesellschaft heranzuwachsen.

Erwachsene wiederum tragen die Verantwortung, die Rechte den Kindern zu vermitteln, sie im Umgang mit Kindern selbst zu achten und die Kinder dementsprechend zu schützen.

Warum hat sich Ihre Schule für die Teilnahme am LeseWelten-Projekt „Kinderrechte“ entschieden?

Partizipative, kindgerecht gestaltete Projekte bieten meist eine wertvolle Grundlage für langfristiges Lernen. Deshalb besteht in unserer Schule ein grundlegendes Interesse an solchen Projekten. Die Kinderrechte, die über das LeseWelten-Projekt den Schülerinnen und Schülern nahgebracht werden, passen gut zum Profil der Erzbischöflichen Grundschule am Bildungscampus Kalk und zu den Werten, die wir im Schulalltag den Kindern vermitteln möchten. Die Kombination mit einer Leseförderung, wie sie das LeseWelten-Projekt vorsieht, begrüßen wir ganz besonders, weil Lesen eine Grundvoraussetzung für Bildung und damit für Chancengleichheit im Leben darstellt.

Wie sehen Sie die Herangehensweise des Projekts an die Thematik?

Die Kombination aus Geschichten, Gesprächen und Aktionen ist gelungen. In den Geschichten, die vorgelesen werden, werden die Kinderrechte thematisiert; Geschichten sprechen Kinder eigentlich immer emotional an. In den anschließenden Gesprächen werden die Rechte dann reflektiert und in den folgenden Aktionen werden sie spielerisch eingeübt.

Gab es vor diesem speziellen LeseWelten-Projekt bereits Maßnahmen oder Initiativen, die Kinderrechte mit den Schülerinnen und Schülern an Ihrer Schule thematisiert haben?

Soweit mir bekannt ist, gab es einmal eine Unterrichtsreihe im Sachunterricht zum Thema Kinderrechte. Darüber hinaus ist mir nichts bekannt, zumindest nichts Konkretes zum Thema.

Was erwarten Sie sich als Lehrer und im Kollegium von dem LeseWelten-Projekt?

Ich glaube, die Kinder, die an dem Projekt teilnehmen, werden sensibler dafür, dass ihre Rechte und die ihrer Mitschüler und Freunde beachtet werden. So wird nicht nur das Selbstwertgefühl der Kinder gestärkt, sondern auch der Umgang der Kinder miteinander wird rücksichts- und respektvoller. Ich hoffe, dies wirkt auch über den Kreis der teilnehmenden Kinder hinaus, indem sie sich über das Projekt selbst und die Kinderrechte austauschen.

Wie reagieren die Kinder denn auf das Projekt? Was haben Sie beobachtet?

Ich habe die teilnehmenden Kinder zwar nicht täglich begleitet, aber was ich mitbekommen habe, war durchweg positiv. Die Klassenlehrerinnen und -lehrer berichten, dass das Projekt von den Kindern sehr gut aufgenommen wird und dass sie sich immer auf die Projektstunden am Nachmittag freuen. Sie fragen immer wieder, ob das Projekt an dem jeweiligen Tag stattfindet. Besonders die Ausflüge, etwa ins WDR-Kinderstudio, kommen sehr gut an. Ich habe auch mitbekommen, dass die behandelten Bücher von den Kindern in ihrer Freizeit thematisiert wurden. Ich erinnere mich an eine Szene, in der versucht wurde, für das Recht auf Spiel und Freizeit einzustehen. Allgemein hatte ich den Eindruck, dass manchen Kindern einige Rechte bereits bewusst waren, aber das gilt längst nicht für alle Kinder und nicht für alle Rechte.

Welche Kinderrechte halten Sie im Schulalltag für besonders wichtig?

In der Schule hat natürlich das Recht auf Bildung besondere Bedeutung. Denn Bildung ist die Grundvoraussetzung für alle weiteren Chancen im Leben. Ebenso wichtig ist in der Schule das Recht auf Mitbestimmung: Kinder sollen mitgestalten dürfen und dies auf ihrem Weg zu einem mündigen Teil unserer demokratischen Gesellschaft üben. Und auch das Recht auf Freizeit, Spiel und Erholung spielt im Schulalltag eine große Rolle. Dies brauchen Kinder, um sich zu entfalten, und um anschließend im Unterricht wieder mit Freude und Motivation Neues entdecken zu können.

Was nehmen Sie für sich als Lehrer mit aus diesem Projekt?

Das ist zum einen die Bedeutung, Kinder schon möglichst frühzeitig mit ihren Rechten vertraut zu machen bzw. mit der Tatsache, dass sie überhaupt Rechte haben. Zum anderen die Möglichkeit, Kinderrechte als Anstoß zu nutzen, um sich im Unterricht vertieft mit den Werten unserer demokratischen Gesellschaft und deren Schutz auseinanderzusetzen. Und natürlich viele tolle Ausflugsziele wie das schon erwähnte WDR-Kinderstudio, die Stadtbibliothek oder das Sportmuseum, die lehrreiche Lernumgebungen für zukünftige Schülerinnen und Schüler bieten.

Das Projekt endet im Sommer 2026 an Ihrer Schule. Planen Sie weitere Maßnahmen, um die Kinderrechte mit den Schülerinnen und Schülern zu thematisieren?

Konkret wurde dies noch nicht besprochen, aber natürlich sehen wir das Projekt und seine Errungenschaften als Chance, etwas Ähnliches im Schulalltag zu etablieren, um die Inhalte zumindest weiterzuführen.

Wie können die Kinderrechte besser in der Gesellschaft bekannt gemacht werden?

Es sollte mehr solcher Bildungsangebote in Schulen oder Kitas geben. Auch über Öffentlichkeitsarbeit zu Kinderrechten mithilfe der Medien und kultureller Einrichtungen lässt sich viel bewirken.

Was kann ein Kind tun, wenn ein Kinderrecht nicht eingehalten wird? An wen kann es sich wenden?

Kinder sollten wissen, dass sie sich Hilfe holen dürfen und eine Vertrauensperson, insbesondere die Eltern, Lehrkräfte, Freundinnen und Freunde aufsuchen können. Wichtig ist auch, dass Kinder andere Anlaufstellen kennen, wie Kinder- oder Jugendtelefone, die mehr Anonymität bieten.

Was können Eltern tun, um ihre Kinder zu schützen und zu stärken?

Eltern können ihre Kinder mithilfe von Büchern oder Ähnlichem über Kinderrechte informieren, sie immer wieder im Alltag thematisieren und ihre Kinder dafür sensibilisieren. Für besonders wichtig halte ich, offen mit den Kindern zu sprechen, ihre Gefühle ernst zu nehmen, echtes Interesse zu zeigen und sie zu ermutigen, sich zu äußern. Und: Kinder können in Alltagsentscheidungen einbezogen werden, um ihre Mitbestimmung zu stärken.

Das Interview führte Beatrix Mattar-Heger