5. Juni 2024

Drachenzeit im Museum Schnütgen am 19.05. und 06.06.

Bericht vom 19.05.2024 / Museum Schnütgen

Das Schnütgen-Museum ist außerordentlich gut besucht am 19.5., dem Internationalen Museumstag, der Eintritt ist heute für alle frei.

Voll ist es. Und laut. Und so viele Menschen im Museum.

Mittendrin sitzen auf kleinen Bodenpolstern 14 Kinder und lauschen hochkonzentriert LeseWelten-Vorleserin Sylvia Knewel, die das Bilderbuch „Ritter Ragnar Drachenherz“ vorliest. Vom Getümmel um sie herum lassen sie sich überhaupt nicht ablenken, sondern folgen der Geschichte, wie Page Ragnar im Auftrag des Königs gemeinsam mit seinem treuen Freund, dem Hermelin Elmi, die Trollburg ausspioniert. Dort gilt es herauszufinden, ob der Trollkönig wirklich einen gefährlichen Drachen gezähmt hat, mit dem er das Königreich überfallen will. Getarnt als Gaukler gelangen die Freunde heimlich in die Burg.

„Wisst ihr, was ein Gaukler ist?“, fragt Sylvia die Kinder. „Die machen Späße“ weiß ein Junge. „Die kenn ich“ kräht ein jüngerer, „und ich kenn auch Drachenbücher!“. Gut, dass wir das nun wissen.

In einer hellen Raumecke im Obergeschoss liest Annette den aufmerksamen kleinen Zuhörerinnen und Zuhörern nun die Geschichte „Salma, die syrische Köchin“ vor und zeigt dazu die Bilder des schönen, in warmen Farben illustrierten Bilderbuches von Danny Ramadan und Anna Bron.

Salma und ihre Mutter leben in einer Unterkunft für Geflüchtete und Salma beobachtet, wie ihre Mama immer trauriger wird. Um sie aufzuheitern will Salma für die Mutter ein Gericht aus der syrischen Heimat kochen: Foul Shami. Der Geschichte von Salma folgen die Kinder aufmerksam und überlegen gemeinsam mit Annette, welche Zutaten Salma wohl für dieses besondere Gericht benötigt. Dass Salma Hilfe braucht, ist klar, denn selbst als sie das Rezept erfahren hat, muss sie doch schließlich wissen, wie die Gemüse und Gewürze in der neuen Sprache heißen. Unterstützung bekommt Salma von den Mitarbeitenden und anderen Neuankömmlingen im Begrüßungszentrum – und Oma Donya aus Persien steuert noch eine Prise Sumac bei.

Natürlich gelingt es Salma nicht nur, Foul Shami zu kochen, sondern vor allem entlockt ihre Idee der Mutter endlich das Lachen, dass sie so vermisst hat!

Das Thema Küche greift nun Ilka Richter auf, denn schließlich sind wir ja im Römisch-Germanischen Museum. Das Gericht, mit dem Salma ihre Mutter aufheitert, wurde auch vor 2000 Jahren schon von den Römern so ähnlich zubereitet. „Vielleicht ja auch schon in Köln“, meint Ilka.

„Köln war immer ein Schmelztiegel vieler verschiedener Kulturen. Wie auch heute kamen die Kölner von überall her“ erläutert die Museumsführerin. Vor dem steinernen Relief von Maternus und Marcellina, die für ihre Mahlzeit auf einem Speisesofa ruhen, beschreibt Ilka die Essgewohnheiten der Römer: Wein, Brot, Äpfel gab es damals, ebenso wie die Acker- bzw. Favabohne. „Dicke Bunne kennt ihr doch heute auch?“, will Ilka wissen. Zwiebeln und Sumac (Salmas Gewürz aus Syrien) gab es vor 2000 Jahren schon in Köln, Tomaten nicht, aber Kürbisse. Aus Italien hatten die Römer Früchte mitgebracht, die sie hier anbauten, z. B. Zitronen, Pflaumen, Kirschen, Trauben. Sogar Spargel gab es im römischen Köln und Kohl und Muscheln.

Die nächste Station ist ein wunderbares Mosaik, das in Köln in der Wolfstraße gefunden wurde und nun im Museum den Boden schmückt. „Wie ein Teppich“, findet Ilka Richter, „mit ganz vielen Tierbildern darauf. Welche Tiere könnt ihr entdecken?“. Das fällt den Kindern überhaupt nicht schwer: ein Pfau, eine Ziege, ein Hase, ein Stier, eine Taube, ein Hund und sogar ein Seepferdchen! Daneben zeigt das Mosaik auch drachenähnliche Figuren. „Möglicherweise hatte der Besitzer einen Bauernhof, und wenn er Gäste bewirtete, gab er vielleicht gerne mit seinem Besitz und seinen Abenteuern an…“, rätselt Ilka für die Kinder.

Später bestaunen alle noch die riesige „Olivenölflasche“, eine Amphore, und werfen einen Blick auf den Müll, den Archäologen aus dem Kölner Hafenbecken gesammelt haben. Hier entdecken sie Knochen und Muscheln, zerbrochene Gefäße aus Ton und den Kiefer von einem Rind. Eine Nadel zum Flicken von Netzen, ähnlich denen, die Fischer heute noch verwenden, ist auch dabei.

So viel Sehenswertes, so eine schöne Geschichte, welch ein toller Nachmittag! Eltern und Kinder glücklich, Annette und Ilka auch – jetzt freut sich LeseWelten-Lesemonster Liesbert auf die nächste Museumslesung …

Bericht: Agid Jumpertz

Fotos: Agid Jumpertz

Die Lesung aus „Ritter Ragnar Drachenherz“ wird am Donnerstag, 06.06.2024 im Museum Schnütgen wiederholt. Es handelt sich um den Köln-Tag, an dem alle Kölner:innen freien Eintritt zu den Kölner Museen haben.

📆Donnerstag, 6. Juni 2024
⏰Beginn: 16 Uhr
📍Museum Schnütgen, Cäcilienstraße 29-33, 50667 Köln

Für Kinder ab 5 Jahren.

Wir treffen uns wie immer 10 Minuten vorher an der Museumskasse. Der Eintritt ist für Kinder und deren Begleitungen, die in Köln gemeldet sind, kostenlos 🥰

Die Teilnehmer:innenzahl ist begrenzt. Du erhältst am Tag der Führung an der Kasse einen Aufkleber, damit du an der Führung teilnehmen kannst.

Das Projekt „LeseWelten im Museum“ ist eine Kooperation von:

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