21. Januar 2023

Bericht: Museum Schnütgen 18.12.

Magie Bergkristall

Kalt war es draußen am Sonntag, 18.12., – und von eisiger Kälte handelt auch Adalbert Stifters Geschichte „Bergkristall“, die unsere Vorleserin Susa Luz den Kindern zur Vorlesestunde ins Museum Schnütgen mitgebracht hatte.

Das von Maren Briswalter in zarten Farben wunderschön illustrierte Bilderbuch passt hervorragend zur aktuellen Ausstellung des Museums „Magie Bergkristall“. Im Eingangsbereich der Ausstellung – stimmungsvoll abgedunkelt – wurden Bilder einer Bergkristallhöhle großformatig auf die Wand projiziert. Dies bot eine überaus passende Kulisse für die Vorlesestunde.

Susa Luz las und erzählte, wie die Kinder Sanna und Konrad aus dem Bergdorf Gschaid am Heiligen Abend auf dem Rückweg vom Besuch bei der Großmutter im Schneetreiben den richtigen Pfad verpassen und bei eisiger Kälte alleine in den Bergen herumirren. Wie durch ein Wunder überleben sie in einer Felsenhöhle und werden am anderen Tag von einem Suchtrupp gefunden.

Im Anschluss an die Lesung entführte Museumsguide Karina Castellini die Kinder und dazugehörenden Erwachsenen in die sehr reale Welt des Bergkristalls. Alle Kinder durften einen echten Bergkristall einmal in die Hand nehmen. Karina berichtete, wie schon im Mittelalter der spröde Kristall mit großer Fachkenntnis bearbeitet und zu einzigartigen Kunstwerken gestaltet wurde. Eine Schleiferei befand sich sogar in Köln.

Die Kinder entdeckten nun verschiedene Gegenstände aus Bergkristall, z.B. ein fischförmiges Reliquiar aus dem 10. Jh. Es war aus einem orientalischen Kristallflakon umgearbeitet und mit insektenartigen Beinchen versehen worden – antikes Upcycling sozusagen.

Zwei identische transparente Löwenköpfe aus dem 4. Jh. faszinierten die Kinder ebenfalls und sie rätselten, wofür man diese wohl benutzt haben mochte.

Sehr eindrucksvoll war auch die große asphärisch geschliffene Bergkristall-Linse aus einem Wikingerschatz, die – auf ein Objekt gelegt – wie eine Lupe wirkt (konnten Wikinger lesen?), aber auch in Schmuckstücken verarbeitet wurde.

Um auch den kleineren Kindern das Betrachten der Exponate in den Vitrinen zu ermöglichen, hatte die erfahrene Museumspädagogin ein Trittbänkchen mitgebracht, das fleißig genutzt wurde. Zu erkunden gab es weitere Gebrauchsgegenstände, wie eine kristallene Kühlkugel (mit Lederfutteral) und eine Rassel mit Schnuller und Beißhilfe (Leihgabe des Spielzeugmuseums Nürnberg), beide entstanden um 1500.

Schließlich staunten die Besucher:innen noch über ein imposantes goldenes Kriegsschiff mit gesetzten Segeln und einem Bergkristall im Rumpf aus dem 12. Jh. Bevor Karina Castellini verriet, dass dieses Schiff tatsächlich als Trinkgefäß verwendet worden war, rätselten die Kinder noch sehr findig, ob es wohl vielleicht eine Flaschenpost gewesen sei…

Großes Kompliment an die Kinder – fast zwei Stunden lang hielten selbst die jüngeren durch mit konzentrierter Aufmerksamkeit, zunächst beim Lauschen der Geschichte, danach beim Entdecken der Bergkristallwelt in der Ausstellung.

Und großes Kompliment an Susa und Karina, denen es gelang, diese fesselnde Atmosphäre beim Vorlesen und Erzählen aufrecht zu erhalten.

Eine Geschichte, der man gerne lauscht, eine Ausstellung, die eine Fülle magischer Objekte präsentiert – meine Empfehlung: unbedingt lesen und unbedingt hingehen!

Bericht & Fotos: Agid Jumpertz

Zum Museum Schnütgen

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