16. Juni 2026

Lesen, entdecken, staunen – ein Nachmittag im Museum Schnütgen

Zum Internationalen Museumstag am 17. Mai nutzen viele Menschen die Gelegenheit, die Kölner Museen kostenlos zu besuchen. Auch im Museum Schnütgen ist heute einiges los.

Mitten im Trubel sammelt sich eine kleine Gruppe zur LeseWelten-Veranstaltung. Neun Jungen sind mit ihren Begleitpersonen gekommen und freuen sich sichtlich auf das, was sie erwartet. Unter dem Arm trägt Vorleserin Martina Siems-Dahle bereits das Buch Klein-Lichtstadt von Kelly Canby. Gemeinsam mit Museumspädagogin Karina Castellini zieht die Gruppe in einen ruhigeren Teil des Museums – genau unter ein beeindruckendes Glasfenster aus dem Jahr 1474.

Kaum hat Martina mit Vorlesen begonnen, lockt die Geschichte weitere Kinder an. In Klein-Lichtstadt leben Menschen hinter hohen Mauern. Draußen, so glauben sie, sei alles fremd und gefährlich: andere Sprachen, anderes Essen, andere Musik. Doch ein mutiges Mädchen beginnt, Stein für Stein aus der Mauer zu lösen. Mit jeder Lücke zieht mehr Farbe in die graue Stadt – und langsam verschwindet die Angst.

Die Botschaft kommt an. Als die Stadt am Ende heller und offener geworden ist, meldet sich Marcel sofort zu Wort: „Jetzt ist es Groß-Buntstadt!“ Ein Satz, der hängen bleibt.

„Bunt“ passt auch perfekt zum nächsten Programmpunkt: dem großen Glasfenster über den Köpfen der Gruppe. Gemeinsam entdecken die Kinder Figuren und Details in der Anbetung der Heiligen Drei Könige. „Baby Jesus“ und „Mama Maria“ sind schnell gefunden. Schwieriger wird es beim Esel im Hintergrund – den nennt Karina Castellini den „Grinse-Esel“. Und wer ihn betrachtet, weiß sofort warum er zu diesem Namen gekommen ist. Schmunzelnd stellt Karina noch etwas klar: Die Heiligen Drei Könige tragen keine Fußballpokale, und in ihren Gefäßen steckt weder Basilikum noch Rosmarin!

Die Pädagogin zeigt anschließend, wie aufwendig Glasfenster schon im Mittelalter hergestellt wurden. Die Kinder dürfen farbige Glasscheiben herumreichen und sogar ein Stück Bleischiene aus der Nähe ansehen – sicher verpackt im Beutel. So entsteht plötzlich ein Bild davon, wie aus vielen Einzelteilen ein großes, leuchtendes Kunstwerk wurde.

Am Ende des Nachmittags geht es mit vielen neuen Eindrücken zurück Richtung Ausgang. Vielleicht nehmen die Kinder nicht nur Wissen über Glasfenster mit nach Hause – sondern auch ein bisschen von Marcels Idee einer „Groß-Buntstadt“.

Agid Jumpertz