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Buchrezension: „Ellington“

Bilderbuch „Ellington“ | Peter Hammer Verlag

Inhalt

Die einsame Klavierlehrerin Treuherz kauft einem Geflügelhändler einen Enterich ab, der ab sofort bei ihr lebt und den sie nach der Jazzlegende „Ellington“ tauft. Der musikbegeisterte Enterich bringt von nun an Chaos in die Klavierstunden und darüber hinaus Leben und Zuneigung in die Welt von Frau Treuherz.

Doch die Freiheit ruft Ellington nach draußen, also besorgt die Klavierlehrerin eine Leine und macht ausgiebige Spaziergänge mit ihm bis in den Stadtpark. Am See lernt Ellington andere Enten kennen. Nun ist er immer weniger bereit, nach Hause zu gehen. Also weigert sich Frau Treuherz, weiterhin mit ihm zum See zu gehen und Ellington wird immer trauriger und antriebsloser.

Erst Herr Straubinger, ein Klavierschüler, der schon länger in Frau Treuherz verliebt ist, bringt den Enterich wieder zum Tanzen. Daraufhin entscheidet Frau Treuherz, dass sie alle gemeinsam zum See gehen und endlich kann sie sich entschließen, Ellington zu den anderen Enten ziehen zu lassen und ihm seine Freiheit zu gewähren.  

Stil, Sprache & Illustrationen

Die Illustrationen von Ingrid Gordon sind zurückhaltend. Meist werden nur die Protagonisten gezeigt und die Umgebung lediglich angedeutet. Die Personen bleiben vereinfacht und wirken beinah wie von Kindern gezeichnet, bleiben aber stets voll nachvollziehbarer Emotionalität.  

Kritische Bemerkung

Das Bilderbuch “Ellington” funktioniert hervorragend als Allegorie. Tatsächlich ist genau dies das Ziel der Autorin: “Meine Kinderbücher sind eigentlich alle irgendwie Parabeln. Mit einer tieferen Deutungsebene dahinter. Das Verrätseln der Geschichten macht mir Spaß und das ist bei Ellington auch so.” 

Kinderbücher jedoch werden hauptsächlich über die direkte Ebene rezipiert – auch weil die Metaebene für Kinder schwer zu greifen ist. So finden viele Elemente der Geschichte noch nicht in der Lebensrealität von 4-jährigen Kindern statt: Dass Lebewesen eine gewisse Form der Freiheit und Selbstbestimmung benötigen, um gemeinsam zu leben, ist ein komplexes und anspruchsvolles Thema. Daher würden wir die Leseempfehlung eindeutig höher ansetzen, als es der Verlag tut.

Das Buch richtet sich gleichermaßen an (ältere) Kinder als auch an Erwachsene und bedarf eine aufmerksame Begleitung durch den/die Vorlesenden – dialogisches Vorlesen, wie es die geschulten Vorleser:innen von LeseWelten, praktizieren, ist dringend zu empfehlen.  

Durch ein dialogisches Lesen kann deshalb auch folgende Leseart herausgearbeitet werden: Es geht darum über seinen Schatten zu springen und Mut zu beweisen – auch wenn dies bedeutet, los lassen zu müssen. Am Ende darf jeder so sein wie er ist und erst dadurch werden alle Charaktere am Ende glücklich. Ellington lebt nun mit seinen Artgenossen zusammen und Frau Treuherz erhält den Mut und die Zuversicht das Richtige zu tun. So endet die ungleiche Freundschaft zwischen Enterich und Mensch doch noch in einem Happy End.  

Quelle: Peter Hammer Verlag
Autor:inMarlies Bardeli; Ingrid Godon
VerlagPeter Hammer Verlag
Erscheinungsjahr2018
Preis16 Euro
Alter
Themen des BuchesLernen, Los lassen, Freundschaft
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